Aus dem Alb Bote vom Samstag den 13.8.1960

Das Gasthaus zum Hirschen in Gurtweil fiel einem Schadenfeuer zum Opfer

In der Nacht zum Freitag nach 23 Uhr wurde Alarm gegeben – Feuerwehren von Gurtweil, Waldshut und Tiengen im Einsatz

Das bekannte, am Eingang des Schlüchttales und inmitten der Gemeinde an der Bundesstraße gelegene Gasthaus Hirschen ist in der Nacht zum Freitag einem im Ökonomiegebäude ausgebrochenen Feuer zum Opfer gefallen. Es wird Brandstiftung vermutet. Der Gebäudeschaden wird auf 200 000 DM geschätzt.

Der Hirschenbrand in GurtweilGurtweil. Am Donnerstag abend, um 23.10 Uhr, ertönte im Dorf Feueralarm. Die auf dem Dach des Gasthauses Hirschen angebrachte Feuersirene gab ununterbrochen Feueralarm und alarmierte so in kurzer Zeit die Feuerwehrmänner wie auch die Einwohnerschaft, die, aus der Bettruhe aufgeschreckt, zu ihrem Schrecken feststellen mußte, daß über dem ganzen Dorf eine große Röte lag, die weithin sichtbar war. Das verheerende Element mußte sich überraschend schnell in Futter und Holz weitergefressen haben, fand in dem umfangreichen Dachgebälk reiche Nahrung, so daß der ganze Dachstuhl in kurzer Zeit in hellen Flammen stand.

Den Feuerwehrleuten war es nicht mehr möglich, ein Übergreifen der Flammen auf das Wohnhaus zu verhindern; sie mußten ihren Einsatz auch auf die Abschirmung umliegender Anwesen verlegen, wobei besonders die gegenüber dem Gasthaus stehende große Holzgiebelwand des landwirtschaftlichen Anwesens von Willi Tröndle, die dazu noch eine Entlüftungslücke hatte, an welcher Strohvorräte lagerten, eine große Gefahr war. Diese drohende Gefahr erkennend, wurden von der Familie Tröndle das Vieh aus dem Stall genommen und landwirtschaftliche Maschinen in Sicherheit gebracht.

Vom Gasthaus, das mit dem angebauten Ökonomiegebäude eine Front von ca. 35 – 40 m Länge hat – die Breite liegt gegen 20 m – ging der gesamte Dachstuhl der Ökonomie und des Wirtschaftssaales – in Flammen auf, deren Ausbreitung konnte nur noch zu einem Teil über der Gastwirtschaft selbst gestoppt werden. Die Gastwirtschaft mit Nebenzimmer und Küche wurden jedoch durch herabbrechendes Deckengebälk und die Wassermassen, welche zehn Schlauchleitungen der Freiwilligen Feuerwehren von Gurtweil, Waldshut und Tiengen, in das Flammenmeer schleuderten, vollständig vernichtet; Keller und Grundmauern standen am Morgen des Freitag unter Wasser.

Zur Zeit des Ausbruchs des Feuers regnete es in Strömen, es war fast windstill, und das war ein Glück für die umliegenden Anwesen, denn der Funkenflug war trotz des Regens, als das große Dach des Ökonomiegebäudes teilweise in sich zusammenfiel, groß.

Bei Ausbruch des Brandes waren in der Wirtschaft noch viele Gäste versammelt. Ein Klassentreffen brachte Wiedersehensfreude, und die Gastzimmer des Hauses waren voll belegt. Dabei mußte sich ein Gast im Pyjama aus seinem Zimmer ins Freie retten. Kaum konnten Sachen aus dem brennenden Hause gerettet werden. Es fiel fast alles buchstäblich dem verheerenden mit Windeseile sich ausbreitenden Feuer zum Opfer.

Schnellstens zur Stelle waren die Männer der Frw. Feuerwehr Gurtweil, die mit allen verfügbaren Schlauchleitungen dort eingriffen, wo Brandmeister Josef Weber es für erforderlich hielt. Die Waldshuter Überlandhilfe griff ebenfalls ein, ebenfalls die Feuerwehr von Tiengen, die mit zwei Motorspritzen zur Bekämpfung eingesetzt wurde.

Während in den unteren Räumlichkeiten des Gasthauses gewirtet wurde, befanden sich im darüberliegenden Stockwerk auch der Damen und Herrensalon des Pächters Fritz Gamp, der zugleich auch Friseurmeister ist und sein Gewerbe ausübte. Die Einrichtung fiel dem Brand zum Opfer.

Im Ökonomiegebäude waren sechs Schweine untergebracht, von denen fünf herausgebracht werden konnten; eines blieb in den Flammen. Verbrannt ist auch ein zum Ausschlachten in der Ökonomie abgestelltes Auto.

Pächter war abwesend

Zu allem Unglück kommt noch dazu, daß der Pächter und Gastronom des Hauses, Friseurmeister Fritz Gamp sich mit seinen beiden Kindern unterwegs auf einer Erholungsfahrt mit dem Auto befindet und seine Gattin allein das Haus leitete.

Eigentümerin des Anwesens ist die Witwe von Karl Flum, welche im Alter von 66 Jahren steht; ihr Mann starb im Jahre 1937.

Schon am 6. Juli morgens wurde in einem Anbau beim Ökonomiegebäude des Anwesens von einer Angestellten Feuer bemerkt, die Hausbewohner alarmiert, die dieses dann glücklicherweise sozusagen in letzter Minute noch löschen konnten. Man vermutet, daß seinerzeit wie auch dieses Mal das Feuer gelegt worden ist. Der Gebäudeschaden dürfte mit 200 000 DM bei den heutigen Baukosten nicht zu hoch Geschätzt sein.

Gurtweil hatte vor 40 Jahren sein letztes Brandunglück. Damals brannte das Anwesen des Landwirts Xaver Hauser ab, das von einem Landstreicher gelegt worden war Der Mann konnte wenige Stunden später festgenommen werden.

Bild: Aus der "Dorfchronik Gurtweil" 2003, zu beziehen im Rathaus in Gurtweil.

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